Internet TV: Das Ende des Analogfernsehens?
Ewiges zappen, Werbung und ultraflache Inhalte macht das übliche Fernsehen zunehmend unattraktiv. Schon längst regiert hauptsächlich (aber bei weitem nicht nur) beim Privatfernsehen die knallharte Nachfrage des Volkes nach dem alltäglichen Stumpfsinn. Unser Geist wird von Talkshows, Soups und Telenovelas vergewaltigt, anstatt kreativ angeregt. Bevor aber die Gesellschaft in ihrem eigenen Verlangen nach einer zu sanften Hirnmassage erstickt, bietet das Internet schon längst die Alternative. Die technischen Umsetzungen der TV-Alternativen heißen Video-Podcast, Online-TV-Recorder oder Videostream. Das neue Multitalent Miro zum Beispiel, ist eine Art aufgeblasener Videoplayer mit zahlreichen Zusatzfunktionen, dass einem kostenlosen "Internetfernseher" auf dem PC wohl am nähesten kommt. Ebenso bietet das kostenlose Programm Zattoo direkt übliche TV-Sender aus den Bildschirm, was sonst nur mit TV-Karte möglich war. Das Programm ist aber noch recht jung, unausgereift und demnach noch im beta-Status.
Langfristig aber wird sich wohl die bequemste Version durchsetzen. Welche das sein wird und ob es eines der drei Beispiele überhaupt sein wird, bleibt noch abzuwarten. Wie man aber jetzt schon TV-Inhalte bequem per Internet selektieren kann bzw. exklusive Internetsender und Videos nach eigenem Geschmack und Vorlieben aussucht, wird in den kommenden Zeilen grob überrissen.
Video-Podcast hört sich erstmal genauso gehyped wie kompliziert an. Entmythtifiziert man aber einfach dieses Wort, ist es nichts anderes als ein Abonement von Videos, oft zu einem speziellem Thema, die mehr oder minder regelmäßg erscheinen und dem Nutzer per Link oder Software quasi automatisch bei erscheinen zugeflogen kommen. Bei Texten (z.B. von Blogs) wird das selbige Feed genannt, was prinzipiell das Selbe ist wie ein Podcast, nur eben mit Artikeln anstatt Videos bzw. Tonmaterial (ja MP3s halt…). Firefox kann mit diesen feeds umgehen und nennt das Ganze dann Dynamische Lesezeichen. Zurück aber zum Podcast, der Begriff ist schließlich eine Wortschöpfung aus broadcast und einem überhypten Musikabspielgerät von Apple (das eben auch "Pod" im Namen hat), dessen propietäre Software das Prinzip sehr vereinfachte. Mittlerweile braucht man keine Applesoftware mehr dazu, und schon gar nicht das teure Pendant des Players dazu. Viele Videos sind aber auch direkt im Browser abspielbar und müssen nicht erst runtergeladen werden.
Video Podcast mit MIRO: ausgewählte (Internet-)TV-Sendungen runterladen und anschauen
Dies sei erstmal am Beispiel der Tagesschau erklärt. Dort kann man (natürlich nur) als rundfunkgebührenzahlender Mensch sich die Tagesschau direkt im Fensterchen anschauen, oder aber mittels dem Link http://www.tagesschau.de/export/video-podcast ist jede Ausgabe abbonierbar und kann mit einer Software automatisch heruntergeladen, gespeichert, angesehen und verwaltet werden. Das kann der kostenlose Miro Media Player, ehemals Democracy Player. Er ist mehr als der Name vielleicht vermuten lässt. Mit ihm können nicht nur allmögliche Sound- und Videoformate abgespielt werden, er kann auch bequem mit Podcasts umgehen. So kann zum Beispiel jede Tagesschau Sendung automatisch heruntergeladen werden und je nach Einstellung auch wieder automatisch gelöscht werden. Neben einen Bittorrent client kann man mit miro auch Youtube nach Videos durchsuchen und bequem abspeichern und da miro allen voran auch noch kostenlos ist und auch für alle gängigen Betriebssysteme verfügbar ist, stellt das Video-Multitalent alles bisherige in den Schatten. Für Medienkonsumenten des Internets ist miro ein Muss und allemal eine Alternative zum TV-zappen. Hier nämlich sieht man endlich nur TV-Angebote, die einen wirklich interessieren.
Gleich auf der Startseite kann man nach "Kanäle" suchen, wie in miro die Podcasts genannt werden. Das deutschsprachige Angebot ist zwar noch mau und muss im Internet "per Hand" gesucht werden, was aber einen onlineaffinen Menschen nicht weiter abschreckt. Die sucht man ebens konventionell mittels Google anstatt mit dem "Miro Guide". Sucht man direkt dort, so bietet zum Beispiel der Suchbegriff "Gesundheit" drei deutschsprachige Kanäle über Wellness und Fitness. Am meisten gibt es aber Sendungen über Computer und das Internet selbst. Bekannte Computerzeitschriften bieten regelmäßige Sendungen wie "PC Welt TV", "PC Professionell Videos" oder aber auch die "3sat-Mediathek" ist hier stets abrufbar. Sehr liebevoll gemacht und besonders erwähnt sei hier aber auch das Chaos TV vom, wie solls auch anders sein, Chaos Computer Club.
Zattoo: herkömmliche TV-Sender einfach per Internet empfangen
Fernsehen wie man es kennt kann man am unkompliziertesten mittels dem propietären aber kostenlosen Programm Zattoo. Was rein technsich schon lange möglich ist, nämlich gewöhnliches TV-Programm von öffentlich-rechlichen und privaten Analogsendern auch per Internet zu schauen, wird nun nur noch von gewissen Lizenzrechten gebremst. Deswegen ist es von Land zu Land unterschiedlich, welche Sender man mittels Zattoo empfangen kann. Die Liste der empfangbaren Sender führt die Schweiz an, wo auch deutsche Kanäle wie ARD, ProSieben oder kabel1 verfügbar sind, die dem Publikum mit deutschem Internetanschluss allerdings verwehrt sind. Natürlich herrschen auch hier diverse Anleitungen, wie man selbst als deutscher Internetnutzer das deutsche schweizerische Programm mit Zattoo reinbekommt. Sie sind aber oft mit Aufwand verbunden, funktionieren nicht immer bzw. ändern sich stets und die ganzen Hilfsmittel á la Proxys, VPN und TOR Netzwerke bremsen den ohnehin schon mageren Empfang nochmal aus.
Noch darf man sich nicht zuviel erwarten. Schließlich ist die Software in ihrer aktuellen Version 3.0.8 im beta Status und die Videoqualität reicht noch lange nicht ans übliche Analogfernsehen ran. Weswegen es noch keine Alternative zum herkömmlichen TV darstellt, allerhöchstens eine nette kleine Ergänzung oder ein Gimmick, mit dem man ein bisschen am PC zappen kann. Trotzdem weckt dieses Stück Software aber noch die Hoffnungen, dass ein einfacher, breitgefächerte und vor allem kostenfreier (bzw. -günstiger) TV-Genuss per Internet möglich ist.
OnlineTVRecorder.com – das TV Programm per Internet aufnehmen lassen
Der dritte Kandidat ist der kostenlose Internet-Videorekorder des Analogfernsehens namens OnlineTVRekorder.com, kurz OTR. Wie bei allen anderen Alternativen ist auch hier ein schneller Internetanschluß erforderlich. Ohne DSL geht hier nix! Das Prinzip ist allerdings mit etwas Aufwand verbunden, da kostenlos aber trotzdem vom Laien leicht bedienbar. Auf der Internetseite wählt man bequem die aufzunehmenden Sendungen aus. Anschließend kann man sie herunterladen, entweder kostenlos (und langsam) direkt vom Server bzw. per peer to peer Netzwerk á la eMule oder BitTorrent oder aber auch mittels einem kostenpflichtigen Zugang, der einen schnelleren Download verspricht. Ist die kodierte Datei erstmal heruntergeladen, muss sie anschließend noch durch einen Fleischwolf auf dem heimischen Rechner – sprich umgewandelt werden mit einem speziellen Programm, das den Nutzern zur Verfügung steht. Dies ist nötig, damit der Dienst in der rechtlichen Grauzone kostenlos existieren kann.
Das Unternehmen OnlineTVRecorder vertritt den Standpunkt, dass OTR laut §53 des Urheberrechtsgesetzes legal sei, wonach jedermann ein Anrecht auf eine (auch durch Dritte angefertigte) Privatkopie hat, solange die Kopie ohne finanzielle Gegenleistung zur Verfügung gestellt wird. Mittels der Entschlüsselung am heimischen Rechner werde sichergestellt, dass nur Sendungen dekodiert werden können, deren Aufzeichnung der Benutzer vorher selbst in Auftrag gegeben habe.
Der seit 2005 existierende Dienst von OTR wirkt als Hoffnungsschimmer für Medienkonsumenten des Internets, da er schon einige juristische Torpedierungen von Fernsehsendern uneingeschränkt überlebte. Einige kostenpflichtige "Konkurrenten" hatten diesbezüglich nicht soviel Glück. RTL und Sat1 hat sich bei einem ähnlichen Dienst bereits "rausgeklagt".
Analogfernsehen braucht keine Alternative, sie ist bereits die Alternative
Während die Glotze natürlich früher das ultimative Medium des Volkes bezüglich Unterhaltung und Information war, wurde es spätestens Ende der Neunziger vom Internet in diesen beiden Punkten abgelöst. Wenn überhaupt, ist eben das Fernsehen eine Alternative zum Internet und nicht mehr umgekehrt. Die Technik, das Internet selbst zum Fernseher umzufunktionieren ist schon da und zur Massenkompatibilität fehlt nurnoch die Einfachheit, bevor ein Kabelanschluß komplett überflüssig wird, sofern dieser nicht auch als Internetzugang funktioniert! Das Prinzip des Zappens schlägt im Punkt Bedienbarkeit leider immernoch alle TV-Alternativen des Internets. Nichts ist einfacher als sich selbst auf die Couch zu schmeißen und nur + und – auf der Fernbedienung zu betätigen. Das Internetfernsehen mit dieser Einfachheit zu verknüpfen versuchen zwar bereits schon einige Internetprovider, indem sie mit "Movie-Flat" werben und ein Extra Stück Hardware mitliefern, jedoch fehlt auch hier ultimative Freiheit des Konsumenten, nahezu alles kostenlos sehen zu können. Sas mittels Werbefinanzierung beim Privatfernsehen und mittels Aufwand bei den oben vorgestellten Alternativen möglich ist.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich ein Mix aus den Vorteilen beider freien Versionen durchsetzen wird. Frohes glotzen!
Neueste Kommentare